Hechenberger: „Pinnistal-Urteil massive Gefährdung für Almwirtschaft!“

Nach dem mehrjährigen Prozess rund um den tragischen Tod einer Deutschen Urlauberin wurde der Bauer und Almbesitzer nun schuldig gesprochen.

2014 kam eine deutsche Urlauberin nach einem tragischen Unfall im Pinnistal ums Leben. Die Wandererin war mit ihrem Hund von Mutterkühen attackiert und tödlich verletzt worden.

Nach einem strafrechtlichen Freispruch wurde  der betroffene Bauer nun nach einem mehrjährigen Zivilrechtsprozess erstinstanzlich schuldig gesprochen.

Landwirtschaftskammerpräsident Hechenberger sieht das als „zukunftsgefährdendes Urteil“ für die Tiroler Almwirtschaft. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

„Bei aller Tragik der Umstände: Dass der Bauer nun schuldig gesprochen wurde, ist vor allem nach dem sehr positiven Gutachten für mich überraschend und nicht nachvollziehbar“, erklärt Kammerpräsident Josef Hechenberger.

„Obwohl diese Entscheidung als praxisfremd zu bezeichnen ist, wird sie richtungsweisend für die Zukunft der Almwirtschaft in Tirol sein. Die Unsicherheit innerhalb der Bauern ist hinsichtlich möglicher rechtlicher Konsequenzen bei derartigen Unfällen ohnehin enorm.

Schließlich ist auf unseren Almen immer mehr los und die Bereitschaft zur Rücksichtnahme enden wollend. Der Druck auf die Bauern wächst mit diesem Urteile nur weiter, schließlich kann es unter Umständen um die Existenz gehen“, so Hechenberger.

Information und Sicherheit für Bauern

Für den Kammerpräsidenten ist das bisherige Miteinander von unterschiedlichen Interessensgruppen auf den Tiroler Almen mit diesem Urteil gefährdet: „Die Almwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Tirol.

Nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für den Tourismus und die gesamte Bevölkerung – denn bewirtschaftete Almen schützen auch vor Lawinen und Vermurungen. Durch den Schuldspruch werden sicher einige Bauern überlegen, ihr Vieh nicht mehr auf die Alm zu treiben.

Die Bauern wollen mit ihrer Almwirtschaft nicht die Kulisse für die Gäste schaffen, um dann das Risiko zu tragen, bei Unfällen mit Schadensersatzforderungen konfrontiert  zu sein. Unsere Bauern brauchen Unterstützung und Sicherheit“, so Hechenberger. Für ihn ist klar, dass ein Rückgang der Almwirtschaft weitreichende Konsequenzen für Tirol haben würde.

Landeshauptmann Stv. Josef Geisler: „Eine Möglichkeit wäre, die Tiere zuhause zu lassen und nicht mehr aufzutreiben, was eine Verwilderung und Verbuschung unseres Landes mit sämtlichen Folgen wie Lawinen und Umweltkatstrophen zur Folge hätte.

Die zweite Möglichkeit wäre, die Tiere nach wie vor aufzutreiben, jedoch das Almgebiet für sämtlichen Fußgängerverkehr insbesondere mit Hund zu sperren, weil eine Abzäunung aller Wanderwege praktisch nicht möglich ist, und die dritte Variante wäre, dass unsere Bauern so weitermachen wie gehabt und dabei in Kauf nehmen, dass im Falle eines ähnlichen Vorfalles die Existenz der bäuerlichen Familie mit Haus und Hof auf dem Spiel steht.”

Für den Wildschönauer Bezirksbauernobmann Hans Gwiggner könnte dieses Urteil dramatische Folgen haben: “Wenn diese Klage Erfolg hat, dann wird es die erfolgreich praktizierte Form der freien Almbewirtschaftung in Zukunft wohl nicht mehr geben. Das bisher gute freundschaftliche Nebeneinander von Bergwanderer und Tieren im speziellen auf den Almen hätte dann ein Ende”, sagt Gwiggner.

Nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für den Tourismus wären die Auswirkungen dramatisch, so Hans Gwiggner.

Josef Hechenberger:

“Dass der Bauer nun schuldig gesprochen wurde, ist vor allem nach dem sehr positiven Gutachten für mich überraschend und nicht nachvollziehbar”

Fotonachweis: Die Fotografen

Bezirksbauernobmann Hans Gwiggner: “Dieses Urteil könnte dramatische Folgen für Land -und die Tourismuswirtschaft haben.

Die “Schönangeralm” in der Wildschönau, so soll es auch künftig ausschauen. Kühe weiden friedlich neben den Wanderwegen.

….oder es schaut bald so aus…herrliche Almen ohne Kühe…

 

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4 Kommentare
  1. B. Esche
  2. RS
    • Joachim und Petra
    • jope

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