“70 Jahre Almwirtschaftsverein”: Tiroler Almbauern rüsten für ein großes Jubiläum

Man schrieb das Jahr 1948, als einige beherzte Bauern den Tiroler Almwirtschaftsverein gründeten. Seit dieser Zeit sind nun 70 Jahre in das Land gezogen und vieles hat sich in all den Jahren verändert, das ist auch gut so. Paul Landmann, der frühere wortgewaltige Nationalrat aus Oberndorf bei St. Johann, erinnert sich noch gut an die Anfänge.

Nach dem Krieg ging es der Almwirtschaft schlecht, die Rückkehr in die freie Marktwirtschaft war schwierig. Dazu kam, das die Bundesforste alles aufkauften, was zu haben war, forsteten die Almen zu, was aber die Bauern nicht wollten. Es war mehr eine Untergangsstimmung, meint Paul Landmann.

“Als ich Obmann wurde, begannen wir bei null”, sagt Landmann. Ein Termin bei damaligen SPÖ-Landwirtschaftsminister in Wien dauerte die ganze Nacht, “ich habe versucht, ihm die Almwirtschaft zu erklären, verstanden hat er es aber nicht”, lacht Landmann heute. Erinnerungen an Figl’s Verhandlungs-Praxis werden wach…Am nächsten Tag hat der Minister die Almmilch per Weisung frei gegeben, freut sich der heute 85- jährige Landmann.

Der Vorarlberger Bundesobmann und Alt Landesrat-Erich Schwärzler (ÖVP), einer der anerkanntesten Experten der österr. Landwirtschaft, setzt sich insbesondere dafür ein, das Almen auch in Zukunft mit Vieh bewirtschaftet werden können. “Dazu ist eine ordentliche Leistungsabgeltung erforderlich, die eine Offenhaltung der Almen auch in Zukunft möglich macht”, sagt der Spitzenpolitiker.

“Die Almen sollten kein Tummelplatz werden, sondern ein Ort des Naturerlebnis und der Erholung”, sagt Schwärzler weiter.

Josef Lanzinger, Obmann der Tiroler Almwirtschaft, blickt auf schwierige Jahre der zurück. Vor allem das Dilemma der Almfutterflächen und damit verbunden hohe Rückzahlungsforderungen der AMA, stellte die rund 10.000 Bauern auf den 2000 Almen im Land vor große Probleme.

Mittlerweile hat sich dieses Thema etwas beruhigt, ausgestanden ist dies aber noch lange nicht.

Die Tiroler Almwirtschaft ist untrennbar mit der touristischen Entwicklung des Landes verbunden, das wurde gerade im heurigen Sommer sehr deutlich vor Augen geführt. Noch nie waren so viele Menschen in den Bergen unterwegs, doch dies alles gibt auch zu denken.

“Das Eigentum des Bauern sollte respektiert werden” sagt Lanzinger. Man bemühe sich seitens der Almwirtschaft vielen Wünschen gerecht zu werden, doch es gibt auch Grenzen.

Über all diese Fragen und Themen wird dann bei der großen Jubiläumsveranstaltung im November dieses Jahres in Stams ausführlich diskutiert werden. Dort werden auch viele Almbauern aus der Wildschönau mit dabei sein.

Trafen sich um das große Jubiläum “70 Jahre Tiroler Almwirtschaftsverein” vorzubereiten: v.l.: Josef Lanzinger (Obmann Tiroler Almwirtschaftsverein), Alt Obmann Paul Landmann und Bundesobmann & Alt-LR Erich Schwärzler (ÖVP).

Foto: Toni Silberberger

 

 

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