Landesweite Lawinenwarnung – dennoch Aufbruch ins freie Gelände – Lawinenabgang Schatzberg – Gern – zum Glück keine Verschütteten
Nach der gestrigen landesweiten Lawinenwarnung bot sich am Tourenparkplatz in der Hinteren Wildschönau ein irritierendes Bild: Während besonnene Wintersportler ihre Vorhaben stoppten oder auf gesicherte Bereiche auswichen, stapften andere unbeirrt ins freie Gelände – als gäbe es keine Warnstufe, keine Risikobewertung, keine Verantwortung. Dann kam eine neue brisante Meldung aus der anderen Talseite dazu!
Lawinenabgang am Schatzberg – Alpinpolizei schlägt Alarm
Am heutigen Vormittag gegen 11:15 Uhr löste sich auf der Nordseite des Schatzbergs im Bereich Gern ein Schneebrett. Sechs Einheimische – nicht aus der Region Wildschönau – hatten die Lawine ausgelöst.
Wie Chefinspektor Christoph Silberberger, Leiter der Alpinpolizei, mitteilt, war die Gruppe über den Sommerweg beziehungsweise die dort verlaufende Mountainbike-Strecke Richtung Gipfel unterwegs. Im steilen Nordhang brach das Brett.
Nur durch Zufall wurde niemand verschüttet oder verletzt.
Besonders brisant: Laut eigenen Angaben war den Beteiligten die angespannte Lawinensituation bekannt. Einer der Männer erklärte gegenüber der Polizei lapidar, er habe sich „nichts dabei gedacht“ – schließlich sei „eh alles gut gegangen“.
Silberberger findet deutliche Worte:
„Ein glimpflicher Ausgang ist keine Rechtfertigung für riskantes Verhalten. Nordseitige Hänge sind derzeit hochgradig störanfällig. Dass hier nichts passiert ist, war pures Glück – nicht Können.“
Die Alpinpolizei mahnt eindringlich, Lawinenlageberichte ernst zu nehmen. Aufstiege über nicht freigegebene Routen – auch wenn sie im Sommer harmlose Wander- oder MTB-Strecken sind – müssen bei kritischer Gefahrenlage neu bewertet werden.
Zurück zum ersten Vorfall:
Zwar gelten Feldalpenhorn, Schwaibergerhorn und Breiteggerspitz unter erfahrenen Tourengehern grundsätzlich als vergleichsweise sichere Ziele. Doch „grundsätzlich sicher“ bedeutet nicht „risikofrei“. Gerade bei erhöhter Lawinengefahr kann auch vermeintlich harmloses Gelände zur tödlichen Falle werden.
Die Erinnerung an zwei Lawinentote im Bereich Gern vor wenigen Jahren ist in der Region noch immer schmerzhaft präsent.
„Uns passiert schon nichts“
Auf Nachfrage zeigten sich junge Tourengeher aus Bayern unbeeindruckt von der landesweiten Warnung. Man habe sie zwar wahrgenommen, „aber man kann ja alles übertreiben – uns passiert schon nichts“, meinte einer trocken, bevor die Gruppe bergwärts zog.
Solche Aussagen lassen selbst erfahrene Bergretter fassungslos zurück.
Lawinenwarnungen entstehen nicht aus Vorsichtspanik, sondern auf Basis von Messdaten, Schneedeckenanalysen und professionellen Risikobewertungen. Dennoch werden sie immer wieder relativiert – aus Routine, Gruppendruck oder schlichter Selbstüberschätzung.
Experten sprechen von einem gefährlichen Cocktail aus Gewöhnung und Verdrängung: Wer bekannte Touren oft unfallfrei begangen hat, blendet objektive Gefahren leichter aus. Hinzu kommt das trügerische Gefühl, im Notfall werde „die Bergrettung es schon richten“.
Dabei setzen Bergrettung und Alpinpolizei im Ernstfall ihr eigenes Leben aufs Spiel – und nicht jeder Einsatz endet rechtzeitig.
Auch Alpinlegende Peter Habeler appelliert eindringlich an die Vernunft: Tourenplanung und Zielwahl müssen konsequent an die aktuelle Gefahrenstufe angepasst werden. Im Zweifel heißt es umdrehen.
Kein Gipfel ist ein Menschenleben wert
Was bleibt, ist eine unbequeme Frage: Was geht in den Köpfen jener vor, die Warnungen bewusst ignorieren? Zwischen Freiheitsgefühl und Abenteuerlust scheint die Grenze zur Fahrlässigkeit schnell überschritten.
Ein glimpflicher Ausgang darf nicht darüber hinwegtäuschen, wie knapp solche Situationen enden können.
Kein Gipfel der Welt – auch nicht der Schatzberg – ist es wert, das eigene Leben oder jenes der Retter aufs Spiel zu setzen.
Die Hoffnung bleibt, dass Einsicht nicht erst durch ein Unglück erzwungen wird.
Gut zu erkennen die Aufstiegsspur links: „eh alles gut gegangen“ war die Antwort gegenüber der Alpinpolizei ! Auch hier waren schon Tote zu beklagen…..
So schön das auch sein kann – die derzeitige Lawinensituation ist hoch brisant!!!
Gut besuchte Tourengeher-Parkplätze in der Hinteren Wildschönau – auch mit einigen unbelehrbaren!!!!







