Ohne Schulskikurse kein Wintersport – ein Tiroler Erfolgsmodell steht auf dem Spiel
Seit fast sechs Jahrzehnten beweist das Hochtal Wildschönau, dass Wintersport nicht im VIP-Zelt beginnt, sondern im Klassenzimmer. Wer heute über die Zukunft des Skilaufs diskutiert, kommt an einer einfachen Wahrheit nicht vorbei: Ohne Kinder, die Skifahren lernen, gibt es morgen keinen Wintersport. Punkt.
Seit 58 Jahren kommen Schülerinnen und Schüler des Lessing-Gymnasiums Frankfurt verlässlich in die Wildschönau. „Ohne die vielen tausenden Schülern, die seit 1960 in der Wildschönau das Skifahren erlernten, hätten viele Wintersport-Regionen wesentlich weniger Gäste“, meinte eine der Schülerinnen und traf damit voll ins Schwarze.
Generationen haben hier ihre ersten Schwünge gezogen, Stürze weggesteckt, Erfolgserlebnisse gefeiert – und vor allem: eine Beziehung zu den Bergen aufgebaut. Das ist kein nostalgisches Detail, sondern die Grundlage einer ganzen Branche.
Und dennoch wird genau dieses Fundament derzeit fahrlässig untergraben. Schulskikurse werden zunehmend als Kostenfaktor betrachtet, als organisatorisches Problem, als Relikt vergangener Zeiten.
Steigende Preise, fehlende Jugendunterkünfte, überbordende Auflagen und mangelnde politische Unterstützung machen es Schulen immer schwerer, Wintersportwochen überhaupt noch anzubieten.
Dabei ist die Rechnung simpel: Wer heute beim Schulskilauf spart, zahlt morgen mit leeren Liften.
Großdestinationen jagen Premiumgästen hinterher, während kleine Übungslifte zusperren. Appartementmodelle ersetzen Schullandheime, kurzfristige Rendite verdrängt langfristige Wirkung.
Doch Skifahren lernt man nicht zwischen Spa-Bereich und Tiefgarage – sondern auf überschaubaren Hängen, mit kurzen Wegen, mit Zeit zum Üben. Genau dort, wo Regionen wie die Wildschönau seit Jahrzehnten ansetzen.
Oft belächelt als „Schulgruppen-Destination“, hat man hier etwas richtig gemacht, was andernorts verloren ging: Nachwuchsarbeit mit Weitblick.
Tausende ehemalige Schülerinnen und Schüler kehren später als Erwachsene zurück – mit Familie, mit Freunden, mit Erinnerungen. Das ist nachhaltiger Tourismus in seiner wirksamsten Form.
Der Wintersport steht an einem Scheideweg. Entweder man erkennt Schulskikurse als das, was sie sind – eine Investition in die Zukunft –, oder man akzeptiert stillschweigend das langsame Ausbluten einer zentralen alpinen Kulturtechnik.
Die Wildschönau zeigt seit 60 Jahren, wie es geht.
Die Frage ist nur: Will Tirol diesem Beispiel weiterhin folgen – oder erst reagieren, wenn es zu spät ist?
Denn eines ist sicher:
Ohne Schüler auf der Piste gibt es keinen Skisport von morgen.
Wir haben mit Lehrer, Schüler und Bergbahn gesprochen!
Bergbahnchef Ludwig Schäffer und Simon Vitzthum- der sportliche Leiter der bekannten Frankfurter Schule
Die sportlichen Leiter des „Lessing-Gymnasium“ aus Frankfurt: vl.l.: Andreas Hubracht, Antonia von Strachowitz, Simon Vitzthum, Christina Zorn und Emma Gianaroli






