Heute in der TT: Polizist tritt mit „strammen Wadln“ zum Dienst an

500 Höhenmeter von Wörgl in die Wildschönau bezwingt Egon Oberhuber fast täglich mit dem Rad. Für den 53-jährigen Polizisten „einfach Routine“.
Wildschönau, Wörgl – Da brennen einem schon beim Lesen die Waden: Etwa 500 Höhenmeter strampelt sich Egon Oberhuber fast täglich auf dem Rad auf steilen Serpentinen empor. 21 Kilometer legt der 53-Jährige zurück, wenn er zwischen seinem Zuhause im Ortsteil Oberau in Wildschönau und seiner Arbeitsstelle, der Polizeiinspektion Wörgl, hin- und herpendelt. „Speziell nach einem stressigen Tag bringt es mir Erholung, wenn ich am Heimweg den Berg Meter für Meter in mich ‚hineinfresse‘. Frisch geduscht fühlt man sich dann wie neu geboren“, schildert der Sportbegeisterte.

Talauswärts sei der Ritt auf dem Carbon-Bike („A gscheite Maschine brauchst schon“) freilich ein Leichtes – mit Spitzen bis zu 70 km/h. „Da bin ich ja fast schneller als mit dem Auto.“ Bergwärts brauche er etwa 40 Minuten. In die Pedale getreten wird bei Wind und Wetter – bis der Winter im Hochtal Einzug hält und die Straßen gesalzen werden.
5700 Kilometer und 125.000 Höhenmeter „erradelte“ Oberhuber inklusive Freizeittouren im vergangenen Jahr, „wenn das Wetter mitspielt, werde ich meinen Rekord heuer noch brechen“.

Als 2014 die Polizeiinspektion in Wildschönau geschlossen wurde, wechselte der geborene Osttiroler zum Wörgler Posten. Schon in jungen Jahren sei er ein begeisterter Radler gewesen, mit dem neuen Dienstort habe er Hobby und Beruf verknüpft.

Wieso dann nicht den Streifendienst mit dem Rad bestreiten? Oberhuber lacht: „Ja, das wäre sicher mein Idealjob. Leider gibt es in Wörgl keine Fahrradpolizei.“

Ein Helm ist für den Sportler eine Selbstverständlichkeit, geradelt wird freilich nicht in Polizeiuniform, sondern in Radmontur. Vielleicht würde sonst aber so mancher Kraftfahrzeuglenker mit mehr Disziplin verkehren. Die Landesstraße ist kurvenreich, waghalsige Überholmanöver samt mangelndem Abstand erlebt auch Oberhuber immer wieder. Zum Glück – meint der Vater erwachsener Kinder – sei er in 40 Jahren Radsport von schlimmen Unfällen verschont geblieben. „Einmal ist mir auf dem Weg nach Wörgl die Gabel gebrochen. Das war alles andere als lustig, ging aber glimpflich aus. Ich stürzte, hatte aber nur minimale Abschürfungen.“

Mit dem Radl zur Arbeit zu fahren, sei nicht nur klimaschonend, es halte ihn auch trainiert für den Winter. „Wir müssen auch auf die Pisten zu Skiunfällen ausrücken. Da sollte man fit sein.“ Muskelkater? Fehlanzeige. „Wenn du es jeden Tag machst, ist es einfach Routine und gar nicht so tragisch.“

Während man den „radelnden Polizisten“ im Hochtal kennt und bewundert, sieht Oberhuber selbst darin keine Glanzleistung: „Es gibt einige Wildschönauer, die täglich nach Wörgl und noch viel weiter radeln. Ich bin da nur im Mittelfeld.“

Ein E-Bike käme für ihn (noch) nicht in Frage „Das wär’ mir zu träge. Ich mag es, hineintreten zu müssen und zu spüren, dass unterm Hintern etwas weitergeht. Und ich hätte schon vor, das noch einige Jahre zu machen.“ (jazz)

Praktisch jeden Tag mit dem Bike zur Arbeit: Egon Oberhuber
Macht sich fit für den Winter-Alpin-Dienst der Polizei: Egon Oberhuber. Auf alle Fälle auch ein Vorbild was den Klimaschutz angeht.
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2 Kommentare
  1. Josef Gwiggner
    • toni silberberger

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