Heute in der TT: Keine Hausapotheke für die Wildschönauer Ärzte – den Landärzten aber auch den Patienten macht man das Leben dadurch sicher nicht leicht

Von Wolfgang Otter

Wildschönau – Seit Kurzem werden die Patienten im Hochtal in zwei Vertragsarzt­ordinationen versorgt. In Oberau haben die Wahlärzte Robert Mair und Ingo Soraruf eine der beiden Kassenstellen übernommen, in Auffach hat am Montag Georg Reinisch seine Ordination eröffnet. Damit ist die jahrelange Suche nach praktischen Kassenärzten für die Wildschönau zu Ende.

Aber aus der Sicht des Mediziners Reinisch ist noch nicht alles gut. Der Arzt, der in Oberösterreich geboren ist und lange im Krankenhaus Kufstein gearbeitet hat, verknüpfte mit dem Standort Auffach die Hoffnung auf die Genehmigung für eine Hausapotheke. Immerhin ist er mit seiner Ordination weiter als sechs Kilometer von der öffentlichen Apotheke in Niederau entfernt. Daher stellte er ein Ansuchen an die Bezirkshauptmannschaft Kufstein, die nun darüber zu entscheiden hat.

Unterstützt wird Reinisch in seinem Ansinnen auch von der Gemeinde Wildschönau, wo Bürgermeister Hannes Eder auf einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss verweist. Auch die Ärztekammer hat sich für das Ansuchen ausgesprochen.

Ganz anders sieht das die Apothekerkammer. Sie drängt auf die „Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen“, wie Präsident Martin Hochstöger erklärt. Zwar wurde das Gesetz für ärztliche Hausapotheken geändert – die Politik wollte die finanzielle Basis für Ärzte im ländlichen Raum und damit die Attraktivität der Landpraxen erhöhen –, aber gerade in der Wildschön­au hat das neue Regelwerk einen Haken bzw. „ist zu wenig liberal und nicht an die Gegebenheiten angepasst“, wie Ärztekammer-Direktor Günte­r Atzl bedauert.

Die Entfernung nach Niederau würde für die Hausapotheke ausreichen, aber die Wildschönau hat nun beide Vertragsärztestellen besetzt und das schließt wiederum eine Hausapotheke aus, argumentiert nun die Apothekerkammer in ihrer Stellungnahme. „Außerdem gibt es in diesem Fall keine direkte Nachfolge“, sagt Hochstöger. Immerhin seien die Arztstellen bereits länger als ein Jahr unbesetzt gewesen. Zudem gab es seinen Worten nach in Auffach bislang keine Arztordination, daher handle es sich um eine ganz neue Praxis.

Wie nun die Behörde entscheidet, ist noch offen, es werde in absehbarer Zeit der Bescheid ergehen, wie man in der zuständigen Abteilung der Bezirkshauptmannschaft Kufstein erklärt.

„Ich bin sicher nicht nur wegen der Hausapotheke nach Auffach gegangen“, betont Reinisch gegenüber der TT. Sie würde ihm zwar bei der Finanzierung der Ordination helfen, aber vielmehr ginge es ihm um die nahe Versorgung der Patienten. So sieht es auch Bürgermeister Hannes Eder: „Wir haben immer gesagt, wegen der Hausapotheke darf ein Mediziner nicht in Wildschönau anfangen.

Aber wenn sie jetzt nicht genehmigt wird, müssen Patienten aus Auffach fast acht Kilometer nach Niederau fahren, damit sie ein Medikament holen können.“ Aber die Gemeinde könne sich nur für die Hausapotheke aussprechen, alles andere müsse seinen gesetzlichen Weg gehen. Was die Entfernung angeht, hat Hochstöger ein Gegenargument parat: Der Patient müsse „ja vorher auch nach Auffach fahren“ und außerdem habe der Niederauer Apotheker einen Lieferdienst für Kunden eingerichtet, die nicht mobil seien.

Reinisch lässt sich auf alle Fälle offen, ob er gegen einen negativen BH-Bescheid berufen wird.

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Dr. Georg Reinisch (links) und BGM Hannes Eder. Man hat das Gefühl, als richte sich die Apothekerkammer das alles so, wie man will.

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