Tiroler Tageszeitung: Aufregung um Ferienanlage – ein Bericht von Peter Nindler

Wildschönau – Tirol und die Freizeitwohnsitze – das ist seit Jahren eine unendliche Geschichte. Trotz eines strengen Grundverkehrsgesetzes und des Verbots neuer Freizeitwohnsitze in Gemeinden, in denen der Anteil bereits über acht Prozent liegt, werden die gesetzlichen Regelungen vielfach umgangen.

Allein in Kitzbühel mit 8300 Hauptwohnsitzen gibt es rund 4350 Zweitwohnungen, 1300 offizielle und geschätzte 2300 illegale Freizeitwohnsitze. Doch nicht nur der Bezirk Kitzbühel ist ein Hotspot, viele andere Gunstregionen kämpfen ebenfalls mit einer Flut von Freizeitwohnsitzen.

Gleichzeitig wird nach neuen Konstruktionen gesucht, um das Freizeitwohnsitzverbot auszuhebeln. Vor allem bei der Umgestaltung von aufgelassenen Hotels hat sich eine rechtliche Grauzone aufgetan.

In ehemaligen Hotels werden häufig Appartements errichtet, andererseits kommen so genannte Investorenmodelle immer mehr in Mode. Meist beteiligen sich EU-Bürger aus anderen Ländern an der Errichtung von Ferienanlagen, erwerben Appartements und überlassen sie danach dem Betreiber zur Vermietung.

Und genau so ein Projekt lässt die Wogen seit Monaten im Hochtal Wildschönau hochgehen.

Die niederländische Romex Investment, die sich laut Eigendefinition als Projektentwickler auf luxuriöse, komfortable und moderne Ferienanlagen spezialisiert hat, plant in der Ortschaft Niederau die Errichtung von 25 Ferienwohnungen im Ausmaß von 30 bis 150 Quadratmetern. Dafür werden Investoren gesucht, ihre Wohnungen werden schließlich vermietet.

Die große Befürchtung von Kritikern des Modells: Es werden damit Freizeitwohnungen durch die Hintertür geschaffen. Denn so streng der Buchstabe des Gesetzes ist, die Kontrolle gestaltet sich äußert schwierig. Rund 120 Verfahren wegen illegaler Freizeitwohnsitze sind derzeit in Tirol anhängig, bisher kam es aber noch zu keiner einzigen Rückabwicklung.

Doch zurück in die Wildschönau: Aufgrund geologischer Probleme stand das Vorhaben monatelang auf der Kippe, jetzt steht die notwendige Widmung aber kurz bevor. Mit Auflagen ist die Appartementanlage realisierbar, die Mehrkosten werden mit rund 300.000 Euro beziffert.

Das bestätigt auch Bürgermeister Rainer Silberberger, der dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenübersteht. „Bei sechs Millionen Euro an Investitionskosten wird diese Summe wohl leicht unterzubringen sein.“ Er kenne außerdem kein Projekt, bei dem so viele Auflagen vorgeschrieben wurden.

In der nächsten Gemeinderatssitzung soll die Widmung für den Appartementkomplex beschlossen werden. Aber wie will die Gemeinde damit die Errichtung von Freizeitwohnsitzen verhindern bzw. die Einhaltung des Verbots danach kontrollieren?

Bürgermeister Silberberger erwartet sich vor dem Beschluss des Gemeinderats eine entsprechende Erklärung der Investoren. Darauf drängt auch das Land Tirol. Damit wollen Gemeinde und Land Zweitwohnsitze durch die Hintertüre verhindern.

Das Investorenmodell ist auf rund 20 Jahre ausgerichtet, danach soll die Anlage jedoch weiter als Beherbergungsbetrieb fungieren. „Der Anwalt von Romex Investment wird deshalb Verträge ausarbeiten, in denen sich die Investoren verpflichten, auf eine Eigennutzung bzw. einen Zweitwohnsitz zu verzichten“, sagt der Bürgermeister.

Liegen diese Erklärungen bis zur nächsten Gemeinderatssitzung vor, wird die Widmung beschlossen. „Weil es bereits ähnliche Modelle bei uns gibt und wir damit gute Erfahrungen gemacht haben“, wie Silberberger abschließend hinzufügt.

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Hier auf diesem Areal soll die Ferienanlage entstehen.

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