Die Nachbesetzung der beiden Kassenstellen von Allgemeinmedizinern in der Wildschönau ist noch immer ungelöst.

Von Wolfgang Otter und Toni Silberberger

Wildschönau – Die Nachbesetzung der beiden Kassenstellen von Allgemeinmedizinern in der Wildschönau ist noch immer ungelöst. Auch die jüngste Stellenausschreibung blieb ohne Erfolg.

„Am 28. Juli wurden die im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens eingelangten Bewerbungen geöffnet, darunter befand sich leider keine ausschreibungskonforme Bewerbung für die Stellen für Wildschönau. Vorbehaltlich der Zustimmung der Gremien wird eine möglichst baldige neuerliche Ausschreibung der zwei Stellen für Allgemeinmedizin für Wildschönau erfolgen“, teilt die Ärztekammer mit.

Damit geht Wildschönau in den dritten Monat ohne niedergelassenen Mediziner. Bekanntlich hat mit Anfang Juni der Praktiker in Niederau seine Ordination zugesperrt, nachdem davor der Mediziner in Oberau in Pension gegangen war. Inzwischen haben sich die Wildschönauer mit der Situation arrangiert, wie Bürgermeister Rainer Silber­berger erzählt.

Ab November sollen sich aber wieder zwei Mediziner im Hochtal niederlassen – zwei Wahlärzte wollen eine Ordination eröffnen. „Es wurde vereinbart, dass sie für die einheimische Bevölkerung nur jenen Satz verrechnen, der von der Gebietskrankenkasse wieder retourniert wird“, erzählt Silberberger. Eine Abmachung, für die die Gemeinde ein „Starterpaket“, wie es der Dorfchef nennt, geschnürt hat. Die Höhe der finanziellen Leistungen will Silberberger nicht nennen. Da seien noch nicht alle Rahmenbedingungen ausverhandelt. Da die Patienten in diesem Fall in Vorleistung treten müssten, überlegt man, für soziale Härtefälle einen Fonds einzurichten, der das übernimmt.

Für die Gemeinde wird das Ganze immer mehr zu einer Finanzfrage. So muss eine eigene Ärztin für das Pflege- und Seniorenheim bezahlt werden. Silberberger hofft, diese Kosten an die Krankenkasse abtreten zu können.

Kein Kassenarzt bedeutet auch keinen Sprengelarzt. Aber den braucht die Gemeinde dringend, besonders für die Totenbeschau. Daher musste Silberberger einen Vertrag für einen Bereitschaftsdienst mit mehreren Ärzten der umliegenden Orte abschließen. „Das kostet uns 240 Euro am Tag, was zwar nur zehn Euro die Stunde sind. Aber hochgerechnet auf das ganze Jahr sind das rund 88.000 Euro. Wir haben im Schnitt dreißig Todesfälle, wobei die Hälfte im Krankenhaus verstirbt. Damit kostet uns jede Totenbeschau an die 5000 Euro“, rechnet Silberberger vor. Damit nicht genug:

Weitere 15.000 Euro koste der „First Responser“, um in Notfällen professionelle Erste Hilfe zu leisten.

Aber nicht nur die Arztnachfolge ist problematisch, auch beim Sozialsprengel könnten sich Probleme anbahnen. Wegen der prekären Situation in Bezug auf die ärztliche Versorgung nahm der gesamte Vorstand unter Obfrau Sabine Bachmann ihre Wahl jedoch nur noch für ein Jahr (laut Statuten wären es drei Jahre) an, da man bezüglich der Haftung des Vorstandes ohne ärztliche Unterstützung Bedenken hat.

Aber die Mitglieder seien sich auch bewusst, dass in dieser „ärztelosen Zeit“ dem Sprengel zusätzliche Bedeutung zukomme. Bereits die Bilanz der geleisteten Arbeit in Jahr 2014 kann sich sehen lassen: So werden in der Hauskrankenpflege 63 Klienten in 1232 geleistete Stunden betreut, bei der Haushaltshilfe wurden 34 Familien in 2855 Stunden betreut, monatlich werden 390 Portionen Essen auf Rädern ausgeliefert.

Quelle : Tiroler Tageszeitung

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