Österr. Hotelierverband kritisiert Steuerreform auf das heftigste

Wer Betrieb mit Schulden übernimmt, zahlt siebenmal so viel Steuern: Familienbetriebe werden Investoren mit locker sitzender Geldbörse auf dem Silbertablett serviert, warnt ÖHV-Generalsekretär Markus Gratzer.

Österreichs Tourismus besticht durch engagierte Gastgeber-Familien, die mit der Region verbunden sind. Die KMU sieht Dr. Markus Gratzer, Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), gefährdet. Zusätzlich zur höheren Mehrwertsteuer trifft sie die höhere Grunderwerbsteuer bei der Übergabe des Betriebs in der Familie. Dabei weiß das Wirtschaftsministerium laut Parlamentskorrespondenz die Branche „einem wachsenden Kosten- und Gewinndruck ausgesetzt, der ihre Investitionskraft und somit ihre Wettbewerbsfähigkeit schwächt.“ Die Steuerreform verstärkt den Druck noch, obwohl die internationaler Gästeeinnahmen von 2008 bis 2011 um gerade einmal 2,9 % stiegen.

Denkfehler: höhere Steuer für Betriebsübergabe mit Schulden

Die von der Regierung und ihren Tourismus- und Wirtschaftssprechern im Nationalrat bereits gefeierten Erleichterungen sind reine Kosmetik: Die Grunderwerbsteuer würde mit 0,5 % vom Verkehrswert gedeckelt, hieß es. Doch Belastungen wurden nicht abgefedert, sondern versteckt: Wer ein Hotel samt Schulden übernimmt (und das ist die Regel), zahlt 3,5% vom Verkehrswert! Für Betriebe mit Schulden soll siebenmal so viel Steuer bezahlt werden wie für schuldenfreie: „Das lockt Investoren an, die unvernünftig hohe Preise zahlen. Familienbetriebe können das nicht finanzieren“, warnt Gratzer. Damit drohen ähnliche Entwicklungen wie in der Schweiz.

Steuerreform belastet Betriebe in sensibelster Frage

Diese Keule trifft die Betriebe in der sensibelsten Phase, der Übernahme durch die junge Generation, wenn Investitionen und Reparaturen anstehen: Altes Inventar soll raus, neuer Schwung und neue Technologien rein. Statt beim Baumeister, Installateur oder IT-Spezialisten landet der Gewinn für mehrere Jahre beim Finanzamt.

Gratzer an Abgeordnete: An Arbeitsplätze in Tourismusregionen denken!

„Es kann doch mitten in der Wirtschaftskrise kein Arbeitnehmer- oder Arbeitgebervertreter einem Gesetz zustimmen, das Unternehmen und Arbeitsplätze vernichtet“, erinnert Gratzer die Abgeordneten an die Verantwortung für ihre Region: „In fast jedem Bezirk, in fast jeder Gemeinde hängen Einnahmen und Arbeitsplätze vom Tourismus ab. Setzen Sie die nicht aufs Spiel!“

Leistungsträger KMU

Der Großteil der 1.300 ÖHV-Mitglieder sind Familienbetriebe. Mit 160.000 Betten repräsentieren sie rund 2/3 der 4- und 5-Sterne-Hotels in Österreich. Wenn die nächste Generation sie nicht übernimmt, bricht der wirtschaftliche Kreislauf in der Region zusammen – mit unweigerlichen Arbeitsplatzverlusten in Werbung, Verkehr, Handel, Gastronomie, Gewerbe, Sport-, Kultur- und Freizeitbetrieben sowie den Gemeinden.

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Für viele Betriebe nicht mehr zu finanzieren: Höhere Steuer für Betriebsübergabe mit Schulden

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