Nachbargemeinden leisten der Wildschönau Erste Hilfe – aber keine Zustimmung für Sprengelausweitung

Von Wolfgang Otter / Tiroler Tageszeitung

Wildschönau – Nur noch wenige Tage bleiben, um in der Wildschönau das drohende Loch in der medizinischen Versorgung zu verhindern. Anfang Juni sperrt der einzige noch ansässige praktische Arzt im Hochtal die Ordinationstüre zu. Nachfolger sind nicht in Sicht. Daher wird fieberhaft danach gesucht.

„Es brennt der Hut“, meint der Wildschönauer Bürgermeister Rainer Silberberger angesichts der bislang erfolglosen Ausschreibungen. Außerdem ist eines klar: Die Wildschönauer benötigen ärztliche Hilfe von auswärts. Silberberger fordert nämlich, dass die Grenzen des Sanitätssprengels endlich ausgeweitet werden, um damit Ärzte im Hochtal bezüglich der Wochenenddienste zu entlasten.

Mit dieser Forderung machte sich Silberberger gestern auch auf den Weg zur Innsbrucker Landesregierung. Dort hatte Landesrat Bernhard Tilg einen Krisengipfel einberufen. Er erklärte im Vorfeld, „dass auf Landesebene Gespräche zur Abstimmung der Sanitätssprengel stattfinden. Ich bin daher zuversichtlich, dass es in einer gemeinsamen Kraftanstrengung aller beteiligten Einrichtungen gelingen wird, taugliche Nachfolgelösungen zu finden, um die Versorgung weiterhin zu gewährleisten.“

Beteiligt am Gipfel waren neben dem Wildschönauer Ortschef auch Hedi Wechner, Bürgermeisterin der Stadt Wörgl, Paul Sieberer, Bürgermeister von Hopfgarten i. Br., und Vertreter der Gebietskrankenkasse, der Ärztekammer sowie die Sprengelärzte aus den beiden Nachbarorten der Wildschönau.

Den Ärzten aus Wörgl und Hopfgarten wird die Schlüsselrolle bei der Lösung zukommen. Laut Werner Salzburger, Obmann der Tiroler Gebietskrankenkasse ­(TGKK), habe es beim Gespräch das Signal zur Bereitschaft gegeben, diese Rolle auch zu übernehmen. So wollen die Mediziner noch intern abklären, wie sie sich die Wochenenddienste auch für das Hochtal mit seinen knapp 5000 Einwohnern (samt Hopfgartner Anteil der Wildschönau) aufteilen können. „Dazu findet noch eine Besprechung der Ärzte statt“, erklärt Salzburger, der auch versichert, dass die TGKK Geld für diese Lösung in die Hand nehmen werde.

Keine Zustimmung gab es jedoch zur Sprengelausweitung, wie Wörgls Bürgermeisterin Hedi Wechner erklärt. „Wörgl kann nicht die Garantie für die ärztliche Versorgung in der Wildschönau übernehmen. Aber wir werden helfen wo es geht“, verspricht sie.
Aber bereits durch eine interimistische Lösung der Wochenenddienste sieht Salzburger auch für die Nachbesetzung der offenen Dienstellen den berühmten Silberstreif am Horizont. „Es gibt Bewerber“, lässt er gegenüber der TT durchblicken. Nur winken die angesichts der derzeitigen Sonntagsdienstsituation ab.

Die drohende Versorgungslücke sorgt unter der Wildschönauer Bevölkerung nicht nur für Diskussionen und Verunsicherung, sondern lässt auch die Gerüchtküche brodeln. So machte auch das Gerücht die Runde, dass der vor Kurzem in den Ruhstand getretene Dr. Michael Bachmann angeboten hätte, seine Ordination zumindest an Werktagen wieder aufzusperren.

Angeblich sei dies gescheitert, weil ihn die TGKK nicht vom Wochenendienst entbinden wollte. Dem widerspricht TGKK-Direktor Arno Melitopulos auf Anfrage der Tiroler Tageszeitung. Die Gebietskrankenkasse hätte dem Wunsch nach Entbindung von den Bereitschaftsdiensten entsprochen, aber Bachmann habe „mitgeteilt, dass er aus familiären Gründen keine Wiederaufnahme seiner Tätigkeit anstrebt“.

Quelle Tiroler Tageszeitung

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TGKK Obmann Werner Salzburger: „Es gab beim Gespräch das Signal zur Zusammenarbeit“…

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Landesrat Bernhard Tilg:

“ Ich bin daher zuversichtlich, dass es in einer gemeinsamen Kraftanstrengung aller beteiligten Einrichtungen gelingen wird, taugliche Nachfolgelösungen zu finden, um die Versorgung weiterhin zu gewährleisten.“

 

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