Projekt (Hotel oder Appartmentanlage ?) “Drachenstein”: Chef der Raumordung Peter Hollmann: “Von einer Genehmigung könne er derzeit nicht ausgehen”

Wildschönau, Innsbruck –

Von Peter Nindler / Tiroler Tageszeitung

Freizeitwohnsitze in Tirol sind begehrt. Neue dürfen jedoch nur noch dann errichtet werden, wenn ihr Anteil in einer Gemeinde acht Prozent nicht übersteigt. In vielen Tourismushochburgen gibt es bereits ein Verbot, weshalb viele Immobilien illegal als Zweitwohnsitz genutzt werden.

Denn beim Erwerb müssen die Käufer lediglich erklären, keinen Freizeitwohnsitz zu schaffen. Der Aufwand, eine widerrechtliche Nutzung nachzuweisen, ist außerdem enorm. Trotz einer vermutet hohen Dunkelziffer sind deshalb nach Angaben der Landesregierung lediglich 117 Verwaltungsverfahren wegen illegaler Freizeitwohnsitze in Tirol anhängig. Strafen von bis zu 40.000 Euro drohen.

Seit einigen Jahren ist das Land allerdings mit einer neuen Entwicklung konfrontiert: Zum einen werden in aufgelassenen Hotels Wohnungen und Appartements errichtet, andererseits Beherbergungsbetriebe auf Basis so genannter Investorenmodelle geschaffen. Dabei erwirbt man die Suiten und überlässt sie danach dem Hotelbetreiber als Gästezimmer.

Die Abteilung Raumordnung im Amt der Tiroler Landesregierung wird dadurch vor schwierige Abgrenzungsfragen und He­rausforderungen gestellt, gilt es doch, illegalen Freizeitwohnsitzen durch die Hintertür einen Riegel vorzuschieben. Ein Hotelprojekt in Niederau in der Gemeinde Wildschönau sorgt derzeit für heftige Diskussionen.

Eine auf „luxuriöse, komfortable und moderne Ferienanlagen in Tirol/Österreich“ spezialisierte niederländische Investmentgesellschaft plant dort die Residenz „Drachenstein“. Der Gemeindeführung hat man das Hotelprojekt schon vor Monaten angepriesen, diese kann dem Vorhaben durchaus etwas abgewinnen. Doch in der Wildschönau regt sich auch Protest, der für den Grundverkehr zuständige LHStv. Josef Geisler (VP) wurde eingeschaltet. Kritiker befürchten nämlich die Errichtung von Freizeitwohnsitzen.

Schließlich wird die Residenz als „Appartementanlage der gehobenen Klasse“ beworben und die Wohnungen dann betuchten Holländern zum Kauf angeboten. Der Vorverkauf hat bereits begonnen und einige Suiten wurden schon verkauft. Mitte des heurigen Jahres soll Baubeginn sein. Doch das dürfte zu optimistisch sein, schließlich fehlt noch die notwendige Widmung.

„Wenn rechtlich alles in Ordnung ist, wird die Gemeinde das Areal widmen. Neue Freizeitwohnsitze dürfen jedoch keine errichtet werden“, sagt Wildschönaus Bürgermeister Rainer Silberberger. Das Land prüfe derzeit das Vorhaben. Er selbst bezeichnet die Art und Weise, wie das Hotel errichtet wird, „als landauf, landab praktiziertes Modell“.

Investoren würden Appartements kaufen, diese dann den Hotelbetreibern auf zehn bis 15 Jahre überlassen und dann entweder selbst nutzen oder neuerlich vermieten. „Natürlich müssen sie bei einer eigenständigen Nutzung ihren Hauptwohnsitz in die Wildschönau verlegen“, sagt Silberberger. Und wer soll das schließlich kontrollieren? Dazu der Bürgermeister: „Die Käufer verpflichten sich ja vertraglich dazu.“

Im Land dämpft jedoch man die Erwartungen auf einen raschen Baubeginn und gibt sich hinsichtlich einer Widmung für einen Beherbergungsgroßbetrieb skeptisch bis ablehnend. „Uns wurde das Projekt präsentiert, aber für eine konkrete Prüfung fehlen uns noch viele Unterlagen“, sagt der Chef der Abteilung Raum- und Bauordnung Peter Hollmann. Auch die Projektgesellschaft müsse genau durchleuchtet werden. Aufgrund des Investorenmodells schrillt bei Hollmann der Freizeitwohnsitz-Alarm. „Schließlich richtet es sich vor allem an Holländer.“ Von einer Genehmigung könne er derzeit nicht ausgehen.

Beschränkung: Die Anzahl der Freizeitwohnsitze wurde in Tirol beschränkt, neue dürfen kaum mehr errichtet werden. Wer eine Immobilie bzw. ein Grundstück erwirbt, muss erklären, dass er keinen Freizeitwohnsitz errichtet.

Zweitwohnsitze:Allein von 2012 auf 2013 stieg die Zahl der Zweitwohnsitzanmeldungen in Tirol um 3348 oder drei Prozent. 113.315 Zweitwohnsitzanmeldungen gibt es, die Hälfte davon haben ausländische Staatsbürger beantragt.

Investorenmodell: Zuletzt lehnte das Landeverwaltungsgericht den Verkauf von 15 Luxussuiten im Kitz Country Club ab. Die Käufer sollten Eigentümer werden und die Suiten dann dem Club zur Vermietung überlassen.

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In Niederau soll dieses Großprojekt errichtet werden. Laut Beschreibung ist darin von einem Hotelprojekt nie die Rede, sondern von einer Appartementanlage bzw. Penthouse in gehobener Klasse. Daran hat der Chef der Tiroler Raumplanung Peter Hollmann seine Zweifel.

http://www.romex-investments.de/apartements-osterreich/residenz-drachenstein-wildschonau-at

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Eine Antwort
  1. Werner Hohlrieder

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