100 Jahre „Kundler Klamm-Brücke“ – eine enge Verbindung zwischen Kundl und Wildschönau

„Um die Wildschönauer ist uns nichts“ so lautete damals die Meinung in Kundl, als man von den abenteuerlichen Plänen erfuhr, das durch die „Kundler Klamm“ eine Fahrstraße errichtet werden sollte. Am 21. März 1911 wurde die Wegbaugenossenschaft Kundl/Wildschönau schließlich beschlossen und in der Folge errichtet.

Nach Fertigstellung der Straße durch die Kundler Klamm entschied der Straßenausschuss im Jahre 1914, die Straße an der Westseite der Kundler Ache weiterzuführen und die vorhandene Notbrücke durch ein solides Bauwerk zu ersetzen. Diese damals neue und geradezu sensationelles Bauwerk, hatte eine lichte Spannweite von 32 m und wurde äußerst stabil gebaut.

Und heute, nach 100 Jahren steht die Brücke immer noch fast unverändert da, in den Sommermonaten pilgern tausende Menschen über die einmalige Holzkonstruktion. Jetzt hat man in Kundl den Erbauern dieser einmalig schönen Brücke gedacht.

Bei der Belastungsprobe am 4. Mai 1914 wurden 29,4 Tonnen Schotter in Säcken und lose auf der Brücke verteilt. Anlässlich des 66. Regierungsjubiläums von Kaiser Franz Josef I. wurde die Brücke dann am 2. Dezember 1914 offiziell eröffnet.

Heute nach 100 Jahren ist der Großteil der Brücke noch im Originalzustand erhalten und steht als meisterliches Bauwerk unter Denkmalschutz.
 Sie könnte wohl viel erzählen, die alte Kundler Klamm Brücke, war doch die Verbindung in die Wildschönau in der Zwischenkriegszeit von erheblicher Bedeutung.

In erster Linie diente sie dem Holztransport, so wurden in dieser Zeit jährlich an die 10.000 Kubikmeter Rund- und Schnittholz nach Kundl transportiert und natürlich auch Waren in die entgegengesetzte Richtung. Bislang wurde das Holz auf der Ache nach Kundl getriftet, diese Methode war gefährlich und verminderte aufgrund von Beschädigungen auch den Wert der Stämme.

Die Bauern trieben im Sommer auch ihr Vieh durch die Klamm auf die Wildschönauer Almen. Zahlreiche Wildschönauer nutzten den Weg durch die Schlucht um in Kundl auf dem Markt oder in den Geschäften einzukaufen. Wallfahrer pilgerten am 6. November in die Kirche St. Leonhard, dem Schutzpatron des Viehs.

Darüber hinaus wurden „Sommerfrischler“ von ihren Wildschönauer Wirtsleuten am Bahnhof in Kundl abgeholt bzw. wieder dorthin zurückgebracht. Zwischen 1935 und 1940 verkehrte sogar ein umgebauter Kleinlastwagen als Personentaxi zwischen Kundl und Auffach. Betrieben wurde es von den Wirtsleuten des Gasthofes in der Klamm, die Einheimischen nennen es immer noch das Zollhaus.

Die Wegstrecke war nämlich eine Mautstraße, beim „Zollhaus“ wurde der Straßenzoll eingehoben. Die „Maut Tarife“ waren auf einer Tafel am Zollhaus angeführt und spiegeln eigentlich deutlich die Benutzer der Straße wider. Es gab Tarife für Einzelpersonen, Klein- und Großvieh, Luxusfuhrwerke einspännig und zweispännig, weiters für Sägeholz und Bretter, meterlanges Brennholz, beladene und unbeladene Fuhrwerke, Handkarren, Handschlitten und Fahrräder.

Wenn heute zahlreiche Gäste in die Klamm wandern, um die Schön- heit der Schlucht und des Wildwassers zu genießen, bleiben sie oftmals auf der 100-jährigen Brücke stehen und blicken hinab in die Wildschönauer Ache. Was könnte diese alte Brücke wohl alles erzählen? Schönes, lustiges aber auch viel trauriges, besonders in den Kriegsjahren als viele diesen Weg gingen aber nie mehr den Weg zurück machen durften.

Der Tourismusverband Kundl (Ferienland Alpbachtal Seenland) hat zum Gedenken an diesen Geburtstag eine sehenswerte Broschüre aufgelegt, für die Bereitsstellung der Unterlagen ein herzliches Danke an Andreas Steininger (Obmann TVB Kundl), Karl Sandbichler (Steinzeit Kundl) Dipl. Ing. Hannes Sollerer (Seinerzeit- Archiv Kundl) und Josef Egerdacher.

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Die Klammbrücke wird 100 Jahre alt, ein Bauwerk dies alle stürmischen Zeiten überlebt hat. (Archiv Hannes Sollerer)

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Vor dem Bau der Straße wurde das Holz von Auffach aus getriftet. Weg gab es damals noch keinen, einzig einen „Triftsteig“. (Archiv Hannes Sollerer)

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Das alte Zollhäusl in der Klamm. Auf der Seitenwand Bilder vom Tiroler Freiheitskampf. (Archiv Hannes Sollerer)

 

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Auf zum Schatzberg! Im Jahre 1936 dachte noch niemand an einen Skilift, das sollte in Auffach noch bis 1967 dauern. (Archiv Hannes Sollerer)

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Das war im Jahre 1929! Ein riesiger Felsen donnerte in die Klamm – hier kann man im wahrsten Sinn von „Steinschlag“ reden…(Archiv Hannes Sollerer)

Fahrplan Kundler Klamm

 

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Die Gäste vom heutigen Traditionsgasthaus „Weissbacher“ in Auffach waren schon damals recht „noble“ Leut. Vom Bahnhof Kundl ging’s in Hochtal. (Archiv Hannes Sollerer)

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Ein „Opel Steyr“ passiert das „Himmelloch“ in der Klamm (Archiv Hannes Sollerer)

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Viele „Beerweiber“ aus der Wildschönau verkauften in Kundl ihre Moosbeeren, und am Abend ging’s wieder zurück durch die Klamm. (Archiv Hannes Sollerer)

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