Skifahren kann Volkssport bleiben – Voraussetzung Qualität, Preis, Destinationsentwicklung und Positionierung stimmen…

Die richtigen Maßnahmen im Bereich der Produkt- und Destinationsentwicklung vorausgesetzt, hat der klassische Skisport Zukunft. Gernot Memmer von Kohl & Partner skizziert wichtige Einflussgrößen, Anforderungen des Marktes und Möglichkeiten für den Tourismus, auch in Zukunft in diesem Segment Nummer 1 zu bleiben.

Während sich das Angebot für Skifahrer in den heimischen Tourismusdestinationen seit Jahren verbessert und unser Land zu einer Benchmark in diesem Segment macht, geht die Zahl der „Skier Days“ seit einigen Jahren zurück: Waren es vor 5 Jahren noch 57 Mio. „Ersteintritte“, so konnten zuletzt nur noch 50 Mio. Skifahrer im Bereich der Bergbahnen in Österreich verzeichnet werden.
Tourismusberater Gernot Memmer von Kohl und Partner beobachtet die Entwicklung von Skisport und Tourismus seit vielen Jahren und weiß, dass vor allem kleinere und mittlere Skigebiete in Österreich, aber auch die Hotellerie bzw. die Sportartikelindustrie von dieser Entwicklung betroffen sind: „Wir erwarten einen Strukturwandel, vor allem im Bereich der Skigebiete.

Am Schatzberg Wildschönau Winter 2012 GF M. Auer (37)

Bild: Gute Chancen für den Volkssport Skifahren – vorausgesetzt Qualität, Preis, Destinationsentwicklung und eine erfolgreiche Positionierung stehen im Vordergrund.
Es werden sich aufgrund von weiteren Skigebietes-Zusammenschlüssen und Qualitätssteigerungen immer mehr 4- und 5-Stern-Skigebiete entwickeln. Zudem besteht aber auch für gute, attraktive 2- und 3-Stern-Skigebiete Potenzial – entscheidend für diese Skigebiete ist eine marktrelevante Spezialisierung, ein darauf abgestimmtes Produkt und eine andere Preispolitik.“
Kohl & Partner hat im Rahmen eines gemeinsamen Projektes mit der Tirol Werbung zur Produktentwicklung für Einsteiger und Wiedereinsteiger im Skisport festgestellt, dass das Potential nach wie vor groß ist: Einer Studie in Deutschland zufolge haben 9,3 Mio. Menschen durchaus Interesse am Skifahren. „Vor allem der Markt der Wiedereinsteiger ist besonders spannend“, so Gernot Memmer, „diese Zielgruppe kann vor allem über eine gezielte Produktentwicklung angesprochen werden.
Hier gilt es künftig aber, dass die Bergbahnen – zunehmend auch als Motor der Destinationsentwicklung im Winter – diese Produktentwicklung nur in enger Kooperation mit den Tourismusverbänden, den Beherbergungsbetrieben, den Servicebetrieben, dem Verleih und den Skischulen realisieren können.“

Erfolgreiche Skidestinationen brauchen ein starkes Profil
Dass die Dienstleistungskette in der Destination Heute wie Morgen lückenlos funktionieren muss, ist für Tourismusberater Gernot Memmer ebenso unbestritten, wie die Notwendigkeit für Destinationen, zum einen ein starkes Profil aufzubauen und zum anderen auch einen konkreten Masterplan mit einer genauen Definition der Schlüsselprojekte und Investitionen für die nächsten 10-15 Jahre zu haben.
Gernot Memmer: „Darüber hinaus braucht ein Top-Skigebiet ein attraktives, vollinhaltliches Angebot, das neben dem eigentlichen Skisport auch Wellness, Genuss, Veranstaltungen oder sanfte Wintersportarten, wie Schneeschuhwandern, Skitouren oder Winterromantik umfasst.“
Erfolgreiche Positionierungen im Bereich des Ski- bzw. Wintersports sind nach Ansicht von Gernot Memmer etwa in der Region Serfaus-Fiss-Ladis in Tirol (Familienurlaub) oder in der Schweizer Destination Flims-Laax (Snowboarder und Freestyler) gelungen.
„In diesen beiden Regionen ist es den entscheidenden Playern und Meinungsbildnern gelungen, gemeinsam Projekte zu initiieren, zu finanzieren und in Form von Produkten umzusetzen. Darüber hinaus ist es geglückt, den Prozess über viele Jahre hinweg vor Ort ausgeglichen zu steuern und dadurch eine richtige Benchmark im Bereich der Skidestination zu setzen“, erklärt Gernot Memmer.
Herausforderungen meistern und Wertschöpfung sichern
 dass das Skifahren als Volkssport ausstirbt, glaubt Gernot Memmer nicht: „Wir sehen durchaus Potential, weil das Skifahren im Gegensatz zu anderen Sportarten bei weitem keine Modeerscheinung ist sondern eine Aktivität, die die Menschen wirklich gerne machen. Daher geht es darum, künftig neue Reize zu setzen, damit Menschen überhaupt auf die Piste gebracht werden, eventuell wieder dorthin zurückkehren oder – im Idealfall – ein Leben lang immer wieder skifahren.“

Darüber hinaus müssen sich aber alle Wintersportdestinationen in Österreich ernsthaft mit Fragen des Klimawandels beschäftigen. „Die technischen Möglichkeiten der Beschneiung werden immer besser, daher sind wir überzeugt, dass auch bei einer langsamen Erwärmung bzw. Verschiebung der Zeiten einer festen, natürlichen Schneedecke der Wintersport in Österreich Zukunft hat“, so Gernot Memmer.
In der Sicherung der Infrastrukturen in den Skidestinationen braucht es künftig einen noch stärken Schulterschluss zwischen den verschiedenen Akteuren in der Tourismuswirtschaft, aber auch der Politik. Dies ist umso wichtiger, als die Wertschöpfung im Winter besonders groß ist. In manchen österreichischen Wintersportdestinationen werden während weniger Wintermonate bis zu 2/3 der Jahreswertschöpfung erwirtschaftet.
„Um diese Wertschöpfung, ebenso wie den Stellenwert Österreichs als Skination Nummer 1 mittel- und langfristig zu sichern, brauchen wir nicht nur gute Produkt- und Destinationskonzepte, sondern vor allem auch ein klares Bekenntnis zur laufenden Weiterentwicklung und Verbesserung des Angebotes!“, so Gernot Memmer abschließend.

 

Weiterempfehlen:

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sie als Verfasser haften für sämtliche von Ihnen veröffentlichte Beiträge selbst und können dafür auch gerichtlich zur Verantwortung gezogen werden. Beachten Sie daher bitte, dass auch die freie Meinungsäußerung im Internet den Schranken des geltenden Rechts, insbesondere des Strafgesetzbuches (Üble Nachrede, Ehrenbeleidigung etc.) und des Verbotsgesetzes, unterliegt. Die Redaktion behält sich vor, Beiträge zu löschen, strafrechtlich relevante Tatbestände gegebenenfalls den zuständigen Behörden zur Kenntnis zu bringen. Die Registrierungsbedingungen sind zu akzeptieren und einzuhalten, ebenso Chatiquette und Netiquette! Neue Kommentare müssen erst vom Administrator freigegeben werden!